Geschichte und Errungenschaften der Kinder- und Jugendmedizin an der Charité

Erinnern Sie sich noch an Ihre Impfung gegen Diphterie? Vor mehr als 100 Jahren kostete diese Krankheit noch jedem zweiten Kind das Leben - bis Emil von Behring an der Charité das Impfserum dagegen entwickelte. Einer unserer Meilensteine, viele mehr sollten folgen.

In der mehr als 300-jährigen Geschichte kann das größte Universitätsklinikum Europas auf beachtliche Erfolge blicken: Mehr als die Hälfte der Nobelpreisträger in Medizin und Physiologie hat die Charité hervorgebracht. Die Kinder- und Jugendmedizin in Deutschland wurde hier maßgeblich begründet. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und engagierte Ärztinnen und Ärzte erreichten und erzielen auch heute an der Charité bemerkenswerte Forschungserfolge und schenken kranken Kindern weltweit eine neue Zukunft.



Worauf wir stolz sind – einige unserer Meilensteine

 

2013
Wissenschaftler der Charité und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin Berlin-Buch identifizieren in Kooperation mit Kollegen aus Kiel, Boston, Zürich und London ein Gen, das für die Ausprägung einer angeborenen Form der Herzmuskelschwäche maßgeblich ist. Damit legen sie den Grundstein für neue Therapieverfahren.

 

2012
Charité koordiniert die internationale Folgestudie „IntReALL“, die weltgrößte Studie zur akuten lymphoblastischen Leukämie, der häufigsten Krebserkrankung bei Kindern.

 

2011
Das Berliner Centrum für Seltene Erkrankungen (BCSE) wird eröffnet und ebnet den Weg zur Diagnose und Erforschung ungeklärter Erkrankungen.

 

2010
Die Arbeitsgruppe von Prof. Markus Schülke-Gerstenfeld hat das weltweit meistbenutzte Computer-Programm zur Unterscheidung von krankheitsauslösenden und normalen Genvarianten entwickelt, den sogenannten „Mutation-Taster“. Jeden Tag gehen bis zu 2 Millionen Anfragen weltweit ein. 

 

2009
Eröffnung des ersten Christiane-Herzog-Zentrums für Mukoviszidose-Kranke in Deutschland am Charité Campus Virchow. Die Klinik für Pädiatrie m. S. Pneumologie und Immunologie der Charité ist das erste zertifizierte Doppelzentrum für eine integrierte pädiatrisch-internistische Versorgung von Patienten mit Mukoviszidose.  

 

2005
Etablierung des europaweit ersten nächtlichen Dialyseprograms für Kinder. Die 8-stündige nächtliche Hämodialyse bietet eine wesentlich bessere Entgiftungsfunktion als die herkömmliche 4-stündige Dialyse am Tage, führt zu besserer Befindlichkeit und Rehabilitationsmöglichkeiten gerade für Kinder (Schulbesuch, Ausbildung).

 

1999
Zusammenschluss der Kinderkliniken unter dem Dach des Otto-Heubner-Centrums für Kinderheilkunde. Die Philosophie dahinter: Nicht die Kinder suchen die Spezialisten an verschiedenen Orten auf, sondern die Ärzte kommen zu den Kindern. 

 

1998
Eröffnung des deutschlandweit ersten und einzigen interdisziplinären Sozialpädiatrischen Zentrums, an dem nicht nur neurologisch erkrankte sondern auch Kinder mit chronisch-internistischen und psychischen Erkrankungen multiprofessionell behandelt werden können.

 

1998-2013
Ärzte des Otto-Heubner-Centrums entdecken und beschreiben eine große Zahl neuer seltener und genetisch bedingter Krankheitsbilder; z. B:

1998 Ein neues Syndrom mit schwerer Adipositas und Cortisolmangel (POMC Genedefekt), Krude et. al Nature Genetics.

2001 Eine neue Form der spinalen Muskelatrophie; Grohmann et al. Nature Genetics.

2002 Eine neue vererbte Bewegungsstörung mit Schilddrüsenunterfunktion (NKX2.1 Gendefekt) Krude et. al. J Clin Investigation.

2004 Erste und einzige vererbte Muskelhypertrophie (Myostatin-Gendefekt); Schuelke et al. NEJM.

2011 Eine neue Magnesium-Verlusterkrankung (Cnnm2 gendefekt); Mueller et.al. Am J Hum Gen.

 

1995
Etablierung des „Charité-Fontans“ durch Prof. Dr. Gerd Hausdorf zur interventionellen Katheter-Behandlung angeborener Herzfehler. Dies war die Geburtsstunde der Hybridchirurgie angeborener Herzfehler, der Start in eine neu Ära der weniger invasiven Behandlungsstrategien von angeborenen Herzfehlern.

 

1993
Hochfrequenzeröffnung angeborener Herzklappenverschlüsse durch eine interventionelle Kathetertechnik anstelle einer Akutoperation unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine.

 

1992
Zulassung des ersten Sozialpädiatrischen Zentrums an einer deutschen Kinderuniversitätsklinik zur Behandlung von Spina bifida und Muskelerkrankungen mit Aufbau eines multiprofessionellen Betreuungsteams unter Leitung von Dr. Theodor Michael.

 

1975- 1985
Entwicklung eines ersten erfolgreichen Behandlungsprotokolls der akuten Leukämien im Kindesalter durch Prof. Riem – das sogenannte Berlin-Münster-Frankfurt Protokoll.

 

1983
Prof. Günter Henze in Berlin begründet eine deutschlandweite klinische Studie für Patienten mit einem Rückfall einer akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL). Die anfänglich sehr schlechte  Prognose der betroffenen Patienten hat sich seitdem stetig verbessern können.

 

1978
Einführung des Neugeborenenscreenings zur Früherkennung der angeborenen Schilddrüsenunterfunktion durch Prof. Annette Grüters-Kieslich in Berlin: Damit konnte über 250 Kindern durch eine frühzeitige Behandlung geholfen werden und ein "normales" Leben ohne Behinderung ermöglicht werden. Heute gehört der Test standardmäßig zum Neugeborenenscreening und wird weltweit eingesetzt.

 

Die Anfänge ...

 

1894
Otto Heubner wird zum ersten Professor für Kinderheilkunde in Deutschland berufen und begründet hier damit maßgeblich das akademische Fach. Er beschrieb erstmals zahlreiche Krankheitsbilder von Kindern, die bis heute nach ihm benannt sind.

 

1891
Emil von Behring entwickelte an der Charité das Serum gegen Diphterie, der Krankheit, die zu seiner Zeit fast jedem zweiten Kind das Leben kostete.